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Karriere

Die erste Führungsposition: was sich wirklich ändert

Die erste Leitung ist keine größere Fachstelle, sondern ein anderer Beruf mit einem anderen Maßstab. Was der Alltag tatsächlich enthält, welche drei Fehler den Anfang kosten und was Sie vor der Zusage klären sollten.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Die erste Führungsstelle kommt meist als Anerkennung. Sie arbeiten seit Jahren zuverlässig, der Bereich wächst oder jemand geht, und dann sitzt Ihnen jemand gegenüber und fragt, ob Sie das Team übernehmen wollen. Dass damit nicht eine größere Stelle, sondern ein anderer Beruf beginnt, sagt Ihnen in diesem Gespräch selten jemand.

Die Titel unterscheiden sich stark: Teamleitung, Gruppenleitung, Filialleitung, Marktleitung, Stationsleitung, Schichtverantwortung mit Personalverantwortung. Der Kern ist überall derselbe. Ab dem ersten Tag werden Sie an Arbeit gemessen, die Sie nicht selbst erledigen.

Der Maßstab wechselt

Das ist der eine Satz, um den es geht. Bisher wurde Ihre eigene Arbeit bewertet: ein Fall, ein Projekt, eine Schicht, eine Zahl. Das Ergebnis war Ihnen zurechenbar, es war am Ende der Woche sichtbar, und Sie konnten es mit zwei zusätzlichen Stunden beeinflussen.

Jetzt wird die Leistung von Menschen bewertet, die Sie nicht kontrollieren. Sie können Aufgaben verteilen, Erwartungen formulieren, Regeln setzen und im Notfall eingreifen – aber Sie können niemanden dazu bringen, sorgfältiger zu arbeiten, als er will. Ihr wirksamstes Mittel ist ein Gespräch, dessen Wirkung sich erst in Monaten zeigt, wenn überhaupt.

Für Menschen, die ihr Fach wegen der unmittelbaren Rückmeldung gewählt haben, ist genau das die Zumutung. Nicht die Verantwortung und nicht die Arbeitszeit, sondern die verzögerte Wirkung.

Fachrolle erste Leitung
Gegenstand der Bewertung die eigene Arbeit die Arbeit anderer
Rückmeldung Tage bis Wochen Monate
wirksamstes Mittel mehr Einsatz Gespräch, Zuschnitt, Entscheidung
Fehlerquelle eigene Sorgfalt Erwartungen, die niemand ausgesprochen hat
unangenehmster Teil schwierige Fälle schwierige Gespräche

Die letzte Zeile unterschätzen fast alle. Ein Beurteilungsgespräch, eine Absage auf einen Urlaubsantrag, eine Ansage zu unzureichender Arbeit und im ungünstigen Fall eine Trennung – das sind keine Nebentätigkeiten der Rolle, sondern ihr Kern.

Was der Alltag tatsächlich ist

In Stellenanzeigen steht „Führung und Weiterentwicklung des Teams". Das ist nicht falsch, aber es beschreibt nicht, womit die Woche vergeht. Tatsächlich besteht sie aus:

  • Einsatz-, Dienst- und Urlaubsplanung. In Schicht- und Flächenbetrieben der größte einzelne Zeitposten, und die häufigste Quelle von Ärger, weil jede Planung als Aussage über Gerechtigkeit gelesen wird.
  • Einzelgespräche. Regelmäßig, mit Struktur, nicht als Flurgespräch. Das ist die Arbeit, die als erste ausfällt, wenn es eng wird – und die als erste fehlt.
  • Einarbeitung und Anlernen. Neue Kollegen kosten in den ersten Wochen mehr Zeit, als sie liefern. Das ist normal und muss eingeplant werden.
  • Zielverteilung und Aufgabenzuschnitt. Eine unfair verteilte Last kostet mehr Leistung, als jede Maßnahme zurückholt.
  • Bewerbungsgespräche und Trennungen. Beides gehört zur Rolle, und das zweite übt vorher niemand.
  • Konflikte, Beschwerden, Krankheitswellen. Der unplanbare Teil, der die Planung des Rests zerstört.
  • Berichte nach oben. Zahlen, Begründungen, Prognosen. Was Sie melden, ist eine Aussage, an der Sie gemessen werden.

Gehen Sie diese Liste durch und fragen Sie sich bei jedem Punkt, ob Sie ihn gern tun. Wer bei fünf von sieben zögert, hat eine Antwort, die vor der Zusage mehr wert ist als danach.

Die eigene Fachaufgabe bleibt

Das ist der Grund, aus dem die ersten Monate so anstrengend sind. In den meisten Häusern wird die erste Leitungsebene nicht von der Fachaufgabe freigestellt: Sie führen das Team und arbeiten weiter in der Linie mit – auf der Station, in der Fläche, im Projekt, in der Fertigung.

Dieser Anteil wird in Gesprächen regelmäßig zu niedrig angegeben, weil er auch der Ebene über Ihnen nicht genau bekannt ist. Fragen Sie deshalb nicht nach einem Prozentsatz, sondern nach Beispielen: Wie viele eigene Fälle, Schichten, Kunden oder Projekte lagen bei Ihrem Vorgänger, und ist er damit ausgekommen?

Die drei Fehler des Anfangs

Erstens: selbst weitermachen statt zu übertragen. Es ist die Arbeit, die Sie beherrschen, sie liefert schnellere Ergebnisse als ein Entwicklungsgespräch, und im schwierigen Fall sind Sie tatsächlich der Beste im Raum. Genau deshalb ist es falsch. Wer dem Team die schwierigen Aufgaben abnimmt, nimmt ihm die Gelegenheit, sie zu lernen, und bindet die eigene Zeit an drei Fälle statt an zwölf Menschen. Ein Team kann unter einer fachlich starken Leitung schlechter werden, und das ist der Mechanismus.

Zweitens: die eigene Arbeitsweise ausrollen. Sie haben gearbeitet, wie Sie gearbeitet haben, und es hat funktioniert. Bei jemandem mit anderer Erfahrung und anderem Temperament funktioniert es nicht. Führung heißt, das Ergebnis verbindlich zu verlangen und über den Weg zu sprechen, statt ihn vorzuschreiben.

Drittens: die Rollenänderung nicht aussprechen. Wer im eigenen Team aufsteigt, war gestern Kollege und ist heute Vorgesetzter. Das ändert, was Sie erzählen dürfen, wie Kritik ankommt und wie eine Bemerkung in der Pause gelesen wird. Wer das nicht in den ersten Wochen einmal ruhig benennt, verhandelt es ein Jahr lang stillschweigend. Dieser Fall ist so häufig, dass er einen eigenen Text hat: Vom Kollegen zum Vorgesetzten.

Mehr Verantwortung heißt nicht weniger Arbeitszeitschutz

Eine verbreitete Annahme lautet, mit der Leitungsfunktion fielen die Regeln des Arbeitszeitgesetzes weg. Das ist für die erste Führungsebene regelmäßig falsch. Das ArbZG gilt nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 ArbZG nicht für leitende Angestellte im Sinne des § 5 Abs. 3 BetrVG – und diese Einordnung verlangt nach dem Gesetz eine selbständige Einstellungs- und Entlassungsbefugnis, eine nicht unbedeutende Prokura oder Generalvollmacht oder eine im Wesentlichen weisungsfreie Aufgabe von Bedeutung für Bestand und Entwicklung des Unternehmens.

Personalverantwortung für ein Team genügt dafür nicht, ein Titel wie „Head of" ebenfalls nicht. Maßgeblich ist die tatsächliche Funktion, und die Frage ist immer einzelfallabhängig. Was daran hängt und wo die Grenze verläuft, steht in Wer leitender Angestellter ist und was daran hängt. Wo Ihre Weisungen enden und welche Pflichten gegenüber dem Team an der Rolle hängen, behandelt Weisungsrecht und Fürsorgepflicht.

Was vor der Zusage zu klären ist

Diese Fragen kosten ein Gespräch und ersparen ein Jahr.

  1. Ist die Führung disziplinarisch oder fachlich?
  2. Wer entscheidet über Einstellung, Gehalt und Trennung – Sie, die Ebene über Ihnen oder die Personalabteilung?
  3. Wie groß ist die Spanne heute, und soll sie wachsen?
  4. Welches Budget liegt bei der Stelle, für Personal und für Sachmittel?
  5. Wie viel eigene Fachaufgabe ist vorgesehen?
  6. Wie ist das Team zusammengesetzt: wer ist neu, wer ist lange da, wer hat sich selbst auf diese Stelle beworben?
  7. Woran wird die Leitung nach zwölf Monaten gemessen?
  8. Welche Zusagen hat der Vorgänger gemacht, die noch offen sind?
  9. Gibt es eine Einarbeitung in die Führungsaufgabe oder nur in die Fachaufgabe?
  10. Warum ist die Stelle frei?

Die letzte Frage ist die wichtigste. Eine Leitung, die in vier Jahren dreimal gewechselt hat, hat ein Problem, das nicht an den Personen lag.

Die Spanne bestimmt die Rolle und das Geld

Vier Mitarbeiter lassen sich begleiten: Sie kennen jeden Vorgang und jede Stärke. Dreißig lassen sich nur noch steuern, über Routinen, Kennzahlen und Zwischenebenen. Beides steht in Anzeigen unter „Führungserfahrung", und beides ist ein anderer Beruf. Die Zahl gehört deshalb ins Gespräch, zusammen mit der Frage, ob sie steigen soll.

Sie ist auch der Punkt, an dem die Vergütung ansetzt – eine Teamleitung mit sechs Personen und eine mit dreißig werden nicht gleich bezahlt. Wie sich Spanne, Budget und Ebene in der Vergütung niederschlagen, steht in Was eine Führungsspanne wert ist; Größenordnungen finden Sie im Gehaltsvergleich, etwa für Teamleiter und Abteilungsleiter.

Die ersten Monate und die ehrliche Alternative

Planen Sie die erste Zeit nicht als Umbau, sondern als Aufnahme: zuhören, zählen, Übergaben schriftlich verlangen. Was dabei in welcher Reihenfolge sinnvoll ist, steht in Die ersten Monate in einer neuen Leitung.

Und wenn Sie beim Lesen dieses Textes an mehreren Stellen den Kopf geschüttelt haben, ist das kein Mangel. Nicht jede gute Fachkraft sollte führen, und wer nicht führen will, ist nicht ohne Perspektive – die Argumente für beide Wege stehen in Fachlaufbahn oder Führung. Wer den Schritt gehen will, findet den Einstieg dort, wo er am häufigsten ausgeschrieben ist: bei den Stellen als Teamleitung.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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