Werkleitung
Werkleiter verantworten die oberste technische Leitung eines Produktionswerks, in kommunalen Eigenbetrieben zusätzlich dessen wirtschaftliche Führung.
9 offene Stellen zu diesem Beruf im aktuellen Bestand.
Was man als Werkleitung verdient
| Erfahrung | Von | Median | Bis | Jahresbrutto | Verhältnis |
|---|---|---|---|---|---|
| Berufseinstieg | 4.800 € | 5.800 € | 7.000 € | 69.600 € | |
| Mit Berufserfahrung | 6.500 € | 8.000 € | 10.000 € | 96.000 € | |
| Mit langjähriger Erfahrung | 9.000 € | 11.500 € | 15.000 € | 138.000 € |
Entscheidend ist die Größe des Werks, gemessen an Beschäftigten, Anlagenwert und Schichtbetrieb, sowie die Branche: Chemie und Automobil zahlen deutlich anders als Nahrungsmittel oder Holzverarbeitung. Ob ein Tarifvertrag gilt oder außertariflich vergütet wird, verschiebt die Spanne zusätzlich, ebenso ein variabler Anteil an Werkskennzahlen. Werkleitungen kommunaler Eigenbetriebe werden meist nach dem für die Kommune geltenden Tarif oder außertariflich in dessen Nähe vergütet und liegen dadurch enger beieinander als in der Industrie.
Die Werte sind Orientierungswerte und keine amtliche Statistik. Sie sind aus öffentlich verfügbaren Erhebungen, Tarifwerken und Stellenanzeigen abgeleitet und auf volle Euro gerundet. Im Einzelfall entscheiden Betrieb, Tarifbindung, Region, Qualifikation und Verhandlung – die Abweichung nach oben wie nach unten kann erheblich sein.
Das Jahresbrutto ist das 12-fache des Monatswertes. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind nicht enthalten, weil sie sich von Branche zu Branche unterscheiden.
Das Berufsbild
Was macht ein Werkleiter?
Die Bezeichnung führt in zwei verschiedene Welten. In der Industrie ist der Werkleiter die oberste technische Leitung eines Produktionswerks: Fertigung, Instandhaltung, Werkstechnik, Werklogistik, Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Werkschutz laufen bei ihm zusammen. Gesteuert wird über Ausbringung, Termintreue, Qualitätsquote, Anlagenverfügbarkeit und Kosten je Einheit; Umsatz und Neukunden gehören in der Regel nicht dazu, weil Vertrieb und Entwicklung anderswo sitzen. Dazu kommen Investitionsanträge für Anlagen, Personalplanung über Schichten hinweg und die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. In kommunalen Eigenbetrieben, also bei Stadtwerken, Bäderbetrieben, Entsorgungs- und Abwasserbetrieben, meint Werkleitung etwas anderes: Die Betriebssatzung überträgt ihr die laufende Betriebsführung und häufig auch die wirtschaftliche Führung des Eigenbetriebs, wobei als Maßstab die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters gilt. Diese Werkleitung ist kein Organ einer Kapitalgesellschaft, arbeitet aber weitgehend eigenständig und berichtet an Betriebsausschuss und Rat. In Stellenmärkten ist der Begriff selten; dieselben Aufgaben stehen häufiger unter Werksleitung, Betriebsleitung, Produktionsleitung oder technische Geschäftsführung.
Wie wird man Werkleiter?
In der Industrie über ein Ingenieurstudium in Maschinenbau, Verfahrenstechnik, Elektrotechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen, seltener über den Techniker oder Industriemeister mit langer Praxis. Die Stationen davor sind Schichtführung, Fertigungs- oder Instandhaltungsleitung und Produktionsleitung. Ergänzt wird das durch Methodenwissen zu schlanker Produktion, Qualitätsmanagement, Energiemanagement und Arbeitssicherheit sowie durch Projekterfahrung mit Anlagenbeschaffung und Werksumbauten. Im kommunalen Eigenbetrieb kommen Werkleitungen sowohl aus dem Ingenieurwesen als auch aus Verwaltung und Betriebswirtschaft; dort ist Vertrautheit mit kommunalem Haushalts- und Vergaberecht so wichtig wie technisches Verständnis, weil Beschaffung, Gebührenkalkulation und Wirtschaftsplan zur Arbeit gehören.
Was der Beruf verlangt
Verantwortung, die im Schadensfall sichtbar wird. Der Arbeitgeber kann nach § 13 ArbSchG zuverlässige und fachkundige Personen schriftlich damit beauftragen, seine Arbeitsschutzpflichten in eigener Verantwortung wahrzunehmen; auf der Werkleitung landet diese Übertragung regelmäßig. § 130 OWiG ahndet zudem, wer die zur Verhinderung von Zuwiderhandlungen erforderliche Aufsicht unterlässt. Hinzu kommen Vorgaben aus Immissionsschutz, Gefahrstoffrecht und Anlagensicherheit, die dokumentiert und geprüft werden. Praktisch bedeutet die Rolle Erreichbarkeit außerhalb der Regelzeit, weil Störungen und Unfälle keine Bürozeiten kennen, und den Umgang mit einem Dauerkonflikt: Termindruck gegen Sicherheit und Instandhaltung. Im Konzern kommt der Standortwettbewerb dazu, denn Investitionen werden zwischen Werken verteilt, und die Werkleitung muss für das eigene Werk werben, ohne die Belegschaft mit Versprechen zu versorgen, die sie nicht halten kann.
Aussichten
Unter dieser Bezeichnung schreibt der Markt wenig aus, und das sollte niemanden täuschen: Die Aufgabe ist häufig, der Titel ist es nicht. Wer sucht, findet sie unter Werksleitung, Produktionsleitung oder Standortleitung. Bewegung bringt der Umbau der Industrie, weil Elektrifizierung, Energiekosten und neue Fertigungsverfahren ganze Werke umkrempeln und dafür Leitungen mit Erfahrung in Umbau und Hochlauf gesucht werden. In kommunalen Betrieben entsteht Bedarf durch Altersabgänge und durch die Umwandlung von Eigenbetrieben in Gesellschaften, bei der aus der Werkleitung eine technische Geschäftsführung wird. Die Wege nach vorn führen in die Verantwortung für mehrere Werke, in eine Standortleitung mit allen Funktionen oder in die Geschäftsführung Technik.
Aufgaben
- Die Produktion eines Werks technisch und personell führen
- Ausbringung, Qualität und Anlagenverfügbarkeit steuern
- Instandhaltung und Investitionen in Anlagen verantworten
- Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Anlagensicherheit sicherstellen
- Schichtmodelle und Personaleinsatz mit dem Betriebsrat abstimmen
- Kosten je Einheit planen und nachhalten
- Im Eigenbetrieb Wirtschaftsplan und Gremienberichte verantworten
Voraussetzungen
- Ingenieurstudium oder Techniker- beziehungsweise Meisterqualifikation mit langer Praxis
- Mehrjährige Führungserfahrung in Produktion oder Instandhaltung
- Kenntnisse in Arbeitssicherheit, Immissionsschutz und Gefahrstoffrecht
- Methodenwissen zu schlanker Produktion und Qualitätsmanagement
- Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat
- Im Eigenbetrieb Vertrautheit mit kommunalem Haushalts- und Vergaberecht
Wo man arbeitet
- Produktionswerk der Industrie
- Kommunaler Eigenbetrieb wie Stadtwerke oder Abwasserbetrieb
- Entsorgungs- und Recyclingbetrieb
- Lebensmittel- oder Chemiewerk
Der Weg in den Beruf
Üblich ist ein Ingenieurstudium in Maschinenbau, Verfahrens- oder Elektrotechnik beziehungsweise im Wirtschaftsingenieurwesen, alternativ der geprüfte Techniker oder Industriemeister mit langjähriger Praxis. Vor der Werkleitung liegen Stationen in Schichtführung, Fertigungs- oder Instandhaltungsleitung und Produktionsleitung. Ergänzend werden Qualifikationen in Arbeitssicherheit, Qualitäts- und Energiemanagement sowie Erfahrung mit Anlagenprojekten erwartet. Für die Werkleitung eines kommunalen Eigenbetriebs kommen Kenntnisse des kommunalen Haushalts- und Vergaberechts hinzu.
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