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Bewerbung

Das Anschreiben auf eine Führungsposition

Ein Führungsanschreiben ist keine Selbstvorstellung, sondern die Antwort auf eine Lage. Wie Sie in drei Absätzen sagen, was das Haus vorhat, was Sie in einer vergleichbaren Lage getan haben und was Sie in den ersten Monaten tun würden.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Ein Anschreiben auf eine Führungsposition hat eine Seite und einen Zweck: Es soll erklären, warum diese Aufgabe jetzt zu dieser Person passt. Es ist keine Selbstvorstellung, sondern eine Antwort auf eine Lage. Wer eine Leitung sucht, hat einen Grund dafür – Wachstum, Sanierung, Nachfolge, Professionalisierung, ein neuer Standort, ein Eigentümerwechsel, ein Amtsinhaber, der gegangen ist. Das Anschreiben, das diesen Grund benennt und beantwortet, unterscheidet sich von allen anderen im Stapel.

Der Lebenslauf liefert die Größenordnungen. Das Anschreiben stellt die Verbindung zwischen diesen Größenordnungen und der ausgeschriebenen Aufgabe her. Was in welches Dokument gehört, steht in Der Lebenslauf einer Führungskraft; doppelte Inhalte kosten beide Texte ihre Wirkung.

Drei Absätze

Mehr braucht es nicht, und mehr liest auf dieser Ebene auch niemand.

Der erste Absatz benennt die Lage. Was hat das Haus offensichtlich vor, und woran erkennen Sie das? Zwei bis drei Sätze, aus der Ausschreibung und aus dem, was öffentlich zugänglich ist – Jahresabschluss, Presseerklärung, Handelsregister, Website, Geschäftsbericht.

Der zweite Absatz zeigt die vergleichbare Lage. Nicht Ihre Laufbahn, sondern eine Situation: Was haben Sie übernommen, in welchem Zustand, mit welchen Mitteln, mit welchem Ergebnis. Eine Station genügt, wenn sie passt. Mit Zahlen, die auch im Lebenslauf stehen.

Der dritte Absatz sagt, was Sie zuerst tun würden. Drei Sätze, die eine Reihenfolge erkennen lassen: was Sie in den ersten Wochen ansehen würden, welche Entscheidung Sie nicht vor dem dritten Monat treffen würden, und worauf Sie festgelegt werden wollen. Das ist der Absatz, der am meisten Mut kostet und am stärksten wirkt, weil er zeigt, dass Sie die Aufgabe schon gedanklich angefasst haben.

Darunter ein Satz zur Verfügbarkeit und, wenn danach gefragt wurde, zum Gehalt. Damit ist die Seite voll.

Der Reihenfolge liegt eine Annahme zugrunde: Die Person, die liest, kennt ihre eigene Lage besser als Sie. Sie will nicht erfahren, was Sie über Führung denken, sondern ob Sie die Aufgabe richtig erfasst haben. Deshalb steht die Lage vorn und nicht die Laufbahn.

Betreff und Anlagen

Der Betreff nennt die Position wörtlich so, wie sie ausgeschrieben ist, dazu die Kennnummer, wenn es eine gibt. Bei einer Personalberatung nennt er zusätzlich das Mandat, falls es beziffert ist, weil dort mehrere Verfahren parallel laufen.

Als Anlagen genügen Lebenslauf und Zeugnisse der letzten zwei bis drei Stationen. Schul- und Hochschulzeugnisse brauchen bei einer Leitungsposition niemanden mehr, Fortbildungsnachweise nur, wenn sie die Aufgabe betreffen. Ein Anhang mit dreißig Seiten wird nicht gelesen und er verschiebt die Aufmerksamkeit von den drei Absätzen, in denen die Entscheidung fällt. Alles in einer PDF-Datei, benannt mit Nachname und Position.

Der erste Satz

„Hiermit bewerbe ich mich auf die von Ihnen ausgeschriebene Position" ist verschenkter Platz. „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen" auch. Beides steht in zwei Dritteln der Bewerbungen und sagt nichts, was der Betreff nicht schon gesagt hätte.

Ein erster Satz, der trägt, benennt die Lage: „Sie besetzen die Werkleitung neu, nachdem der Standort in zwei Jahren von 80 auf 140 Beschäftigte gewachsen ist – das ist die Größe, ab der eine gewachsene Struktur nicht mehr mitträgt." Oder: „Ihre Ausschreibung nennt erstmals eine kaufmännische Leitung neben der Geschäftsführung. Das lese ich als Entscheidung, die Steuerung vom Inhaber zu lösen." Solche Sätze können falsch liegen. Dann liegen sie im Gespräch auf dem Tisch und werden korrigiert, was immer noch besser ist als ein Satz, der nichts behauptet.

Was die Ausschreibung verrät

Eine Führungsausschreibung ist ein Dokument mit Absichten. Sechs Fragen holen das meiste heraus.

Wer hat sie eingestellt – das Unternehmen oder eine Personalberatung? Bei einer Beratung ist das Verfahren meist strukturierter, der Zeitplan enger und der erste Kontakt ein Telefonat. Wie dieser Weg abläuft, steht in Personalberater als Weg.

Welche Berichtslinie steht darin? „Berichtet an die Geschäftsführung" und „Berichtet an den Bereichsleiter Technik" sind zwei verschiedene Stellen mit demselben Titel.

Neuschaffung oder Nachbesetzung? Wörter wie „erstmals", „neu geschaffen", „im Aufbau" verlangen jemanden, der ohne Vorlage arbeitet. „Nachfolge", „Übergabe", „Neuausrichtung", „nach langjähriger Amtszeit" verlangen jemanden, der ein bestehendes Gefüge nicht zerlegt.

Welche Kennzahlen werden genannt? Jede Zahl in einer Ausschreibung ist eine Einladung, sich daran zu messen. Nehmen Sie sie an.

Was fehlt? Keine Angabe zur Führungsspanne, kein Budget, keine Berichtslinie – das ist entweder Nachlässigkeit oder ein Hinweis darauf, dass die Zuschnitte im Haus selbst nicht geklärt sind. Beides ist eine Frage für das erste Gespräch, kein Grund, nicht zu schreiben.

Welche Sprache benutzt der Text? Ein Haus, das „Führungskräfteentwicklung" und „Matrix" schreibt, und ein Haus, das „der Chef entscheidet das kurz" schreibt, suchen verschiedene Menschen.

Wenn Sie aus einer anderen Branche oder einer Fachfunktion kommen, entsteht der zweite Absatz aus dieser Lesearbeit – welche Ihrer Erfahrungen der Lage entspricht, auch wenn der Kontext ein anderer war. Dazu Quereinstieg in eine Leitung.

Formulierungen, die alle benutzen

Statt dieser Formulierung schreiben Sie
„Ich bringe mehrjährige Führungserfahrung mit." „Ich habe zuletzt 38 Beschäftigte in zwei Ebenen geführt, davon vier Schichtleitungen, die ich selbst besetzt habe."
„Ich bin durchsetzungsstark und kommunikationsstark." „Den Interessenausgleich zur Zusammenlegung zweier Standorte habe ich mit dem Betriebsrat in vier Monaten abgeschlossen."
„Ich denke unternehmerisch und ergebnisorientiert." „Ich habe den Bereich von einem Verlust im mittleren sechsstelligen Bereich in zwei Jahren zu einem ausgeglichenen Ergebnis geführt."
„Eine verantwortungsvolle Position in einem dynamischen Umfeld reizt mich." „Mich interessiert eine Leitung mit eigener Ergebnisverantwortung und einer Berichtslinie direkt zur Geschäftsführung."
„Ich identifiziere mich mit Ihren Werten." „Dass Sie die Ausbildungsquote im Geschäftsbericht ausweisen, ist in dieser Branche nicht selbstverständlich; das ist der Teil der Aufgabe, den ich fortsetzen würde."

Die rechte Spalte ist länger. Das ist der Preis und lohnt sich, weil jeder dieser Sätze im Gespräch aufgegriffen werden kann und die linke Spalte nicht.

Die Gehaltsangabe

Nur, wenn danach gefragt wurde. Dann als Jahreszielgehalt mit einem Satz zur Struktur: „Mein derzeitiges Jahreszielgehalt liegt bei 125.000 Euro, davon 20 Prozent variabel, dazu ein Dienstwagen. Für die ausgeschriebene Aufgabe halte ich 140.000 Euro für angemessen." Das ist überprüfbar und verhandelbar.

Was nicht funktioniert: eine Spanne von dreißig Prozent Breite. Sie wird immer am unteren Ende gelesen und wirkt wie eine Verhandlungsposition, die man nicht offenlegen wollte. Ebenso wenig funktioniert „verhandelbar" als einzige Antwort auf eine ausdrückliche Frage. Wie man zwei Angebote mit unterschiedlicher Struktur überhaupt vergleichbar macht, zeigt Zwei Führungsangebote nebeneinander rechnen; was eine Ebene üblicherweise trägt, steht auf den Gehaltsseiten, etwa zu einer Betriebsleitung.

Eine Zahl im Anschreiben legt Sie nicht fest. Sie sorgt dafür, dass beide Seiten wissen, ob ein Gespräch überhaupt Sinn hat – und das ist auf dieser Ebene der häufigste Grund, aus dem Verfahren spät scheitern.

Diskretion, in einem Satz

Wenn Sie aus einer bestehenden Anstellung schreiben, gehört ein Satz zur Vertraulichkeit hinein: „Ich bitte um vertrauliche Behandlung meiner Bewerbung; mein Arbeitgeber ist nicht informiert." Mehr nicht. Wer drei Absätze darüber schreibt, welche Wege nicht benutzt werden dürfen, verschiebt das Thema der Bewerbung. Was sonst dazugehört – Sperrvermerke, Referenzen, Termine –, steht in Bewerben aus ungekündigter Stellung.

Form

Eine Seite, Anrede mit Namen. Den Namen findet man in der Ausschreibung, im Handelsregister oder auf der Website; „Sehr geehrte Damen und Herren" ist zulässig, aber es ist die erste verpasste Gelegenheit. Keine Ausrufezeichen, keine Fettungen, keine Aufzählungspunkte im Anschreiben selbst – sie zerlegen eine Argumentation, die zusammenhängen soll.

Und die Regel, die alle anderen schlägt: Jede Zahl im Anschreiben muss im Lebenslauf wiederzufinden sein, und zwar in derselben Höhe. Abweichungen fallen auf, und sie fallen dem auf, der die Stelle zu besetzen hat.

Vor dem Absenden

Lesen Sie das Anschreiben mit einer Frage: Könnte dieser Text so auch an ein anderes Unternehmen gehen? Wenn ja, ist er noch nicht fertig. Ein Führungsanschreiben, das austauschbar ist, hat seinen Zweck verfehlt, weil es die einzige Frage nicht beantwortet, die gestellt wird.

Rechnen Sie außerdem damit, dass der Text im nächsten Schritt vorliegt und zitiert wird. Bei größeren Positionen sitzt am Tisch nicht die Personalabteilung, sondern der Inhaber oder ein Beiratsvorsitzender – wie dieses Gespräch verläuft, steht in Das Gespräch mit dem Gesellschafter. Schreiben Sie deshalb nur Sätze, die Sie dort wiederholen würden. Welche Positionen gerade ausgeschrieben sind, zeigen die offenen Stellen, etwa für Head of Finance.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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