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Bewerbung

Der Lebenslauf einer Führungskraft

Ein Führungslebenslauf wird nicht nach Aufgaben gelesen, sondern nach Verantwortung und Ergebnis. Welche vier Angaben jede Position braucht, wie Sie Größenordnungen nennen, ohne Betriebsgeheimnisse preiszugeben, und was ersatzlos hinausgehört.

8 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Ein Lebenslauf für eine Leitungsposition wird von jemandem gelesen, der selbst Verantwortung trägt. Diese Person sucht keine Tätigkeitsbeschreibung. Sie sucht drei Angaben: wofür Sie eingestanden haben, wie groß das war, und was dabei herausgekommen ist. Ein Lebenslauf, der die Aufgaben einer Stelle aufzählt, beantwortet keine dieser Fragen und wird deshalb überflogen statt gelesen.

Das ist der Unterschied zu jeder anderen Bewerbung. In einer Fachlaufbahn beschreiben Sie, was Sie können. In einer Führungslaufbahn beschreiben Sie, was Sie verantwortet haben und was daraus geworden ist. Der Satz „Verantwortlich für die Steuerung der Abteilung und die Weiterentwicklung der Prozesse" enthält keine einzige prüfbare Information. Er kostet zwei Zeilen und trägt nichts.

Die vier Angaben, die jede Position braucht

Zu jeder Führungsstation gehören vier Angaben. Wo eine fehlt, sollte sie bewusst fehlen und nicht aus Nachlässigkeit.

Die Führungsspanne, und zwar dreifach: direkt berichtende Personen, Gesamtzahl der Beschäftigten im Bereich, Zahl der Führungsebenen unter Ihnen. „Sechs direkt, 110 gesamt, zwei Ebenen" ordnet eine Position in zwei Sekunden ein. Ob eine größere Spanne auch eine höhere Vergütung bedeutet, ist eine eigene Frage – dazu Was eine Führungsspanne wert ist.

Die Verantwortungsgröße: Budget, Umsatz, Kostenstellenvolumen, Zahl der Standorte, Zahl der Betten oder Plätze, Investitionsvolumen. In Größenordnungen, nicht auf die Stelle genau, und nie so, dass ein Geschäftsgeheimnis Ihres Arbeitgebers in der Bewerbung landet.

Die Entscheidungsrechte. Sie sind die Angabe, die fast immer fehlt und am meisten aussagt: Durften Sie einstellen und entlassen, oder nur vorschlagen? Wie hoch war Ihre Investitions- und Zeichnungsgrenze? Hatten Sie Prokura? Wer hat den Personalhaushalt festgelegt? An wen haben Sie berichtet – an eine Bereichsleitung, an die Geschäftsführung, an einen Beirat?

Ein bis zwei Ergebnisse mit Ausgangswert. Ein Ergebnis ohne Ausgangswert ist keines. „Fluktuation von 19 auf 11 Prozent in zwei Jahren" ist prüfbar, „Fluktuation deutlich gesenkt" ist eine Meinung.

Aufgabensatz Verantwortungssatz
Leitung der Abteilung Instandhaltung Leitung Instandhaltung, 4 direkt / 38 gesamt, Budget mittlerer einstelliger Millionenbereich, Investitionsfreigabe bis 50.000 Euro
Verantwortlich für Personalentwicklung Zwei Schichtleitungen intern entwickelt und besetzt, Nachbesetzungsquote aus dem eigenen Bereich von 2 auf 5 Stellen jährlich
Mitwirkung bei der Standorteröffnung Aufbau eines Standorts von null auf 24 Beschäftigte in elf Monaten, Genehmigung, Einstellung, Einarbeitung, erstes Audit bestanden

Der Kopf und die drei Zeilen darunter

Oben stehen Name, Anschrift, Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse aus Vor- und Nachname. Keine Dienstadresse, keine Dienstnummer.

Darunter sind drei Zeilen erlaubt, und nur drei: die Ebene, auf der Sie heute arbeiten, die Größenordnung, die Sie verantworten, und die Art von Aufgabe, die Sie suchen. Also etwa: „Bereichsleitung in einem produzierenden Mittelständler, 90 Beschäftigte an zwei Standorten, Budgetverantwortung im zweistelligen Millionenbereich. Sucht eine Geschäftsführung oder eine Bereichsleitung mit Ergebnisverantwortung im süddeutschen Raum." Das ist kein Profil im Sinne einer Selbstbeschreibung, sondern eine Einordnung. Alles, was darüber hinausgeht, gehört ins Anschreiben.

Wer diese drei Zeilen nicht schreiben kann, ohne in Adjektive zu verfallen, hat meist noch nicht entschieden, worauf er sich bewirbt. Das ist kein Formproblem, sondern ein inhaltliches, und es löst sich nicht am Lebenslauf.

Die Form

Zwei Seiten. Tabellarisch, antichronologisch, die aktuelle Position oben. Berufserfahrung vor Ausbildung. Bei mehr als fünfzehn Jahren Berufserfahrung fassen Sie die frühen Stationen zu einem Block zusammen – drei Zeilen für sieben Jahre Sachbearbeitung und erste Projektleitung genügen, der Platz gehört den letzten zwei bis drei Positionen.

Zu jedem Arbeitgeber eine Zeile Einordnung: Branche, Größe, Eigentümerstruktur. Niemand weiß, was ein Haus mit 300 Beschäftigten in einer fremden Branche bedeutet. „Familienunternehmen, 300 Beschäftigte, drei Standorte, zweite Generation" und „Konzerntochter, 300 Beschäftigte, Matrixorganisation mit Berichtslinie nach Schweden" beschreiben zwei völlig verschiedene Führungsaufgaben, und die lesende Person kann das nicht erraten.

Als Datei ein PDF mit durchsuchbarem Text. Ein eingescanntes Bild ist für ein Bewerbermanagementsystem leer, und viele größere Häuser lesen Bewerbungen zuerst maschinell ein.

Was hineingehört und selten drinsteht

Die Stationen, die eine Führungslaufbahn tragen, stehen häufig nicht im Lebenslauf, weil sie niemandem als Leistung erscheinen. Sie sind aber genau das, wonach gesucht wird:

  • Gremienarbeit: Beirat, Aufsichtsrat, Sprecherausschuss, Gesellschafterversammlung als Teilnehmer, Verwaltungsrat eines Verbands.
  • Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft, abgeschlossene Betriebsvereinbarungen, begleitete Interessenausgleiche.
  • Sanierungs- und Aufbauerfahrung: übernommene Bereiche in Schwierigkeiten, Restrukturierung, Zusammenlegung von Standorten, Integration nach einem Zukauf.
  • Nachfolger entwickelt und besetzt, Fluktuation gesenkt, Krankenstand gesenkt, Ausbildungsquote erhöht.
  • Bestandene Audits, Zertifizierungen, Prüfungen einer Aufsichtsbehörde, Begehungen.
  • Die Berichtslinie jeder Position, ausdrücklich benannt.

Was hinausgehört

Aufgabenlisten. Adjektive über die eigene Person. Die Führungsphilosophie in fünf Zeilen – sie gehört ins Gespräch, wo man sie prüfen kann, nicht auf Papier, wo sie jeder behaupten kann. Selbsteinschätzungen jeder Art, auch die in Balkenform. Noten aus Schul- und Hochschulzeugnissen, wenn der Abschluss mehr als zehn Jahre zurückliegt. Fortbildungen ohne Bezug zur Aufgabe. Und die Auflistung von Software, in der sich jede Zeile gleich liest.

Angaben zu Familienstand, Konfession, Kindern und Gesundheitszustand gehören nicht hinein. Ein Foto ist verbreitet, aber nicht vorgeschrieben; die Diskussion darüber wird in Ratgebern mit mehr Aufwand geführt, als sie in Auswahlverfahren auslöst.

Eine eigene Vorsicht gilt für Zahlen, die gut aussehen und nicht Ihre sind. Ein Unternehmensergebnis, das in Ihre Amtszeit fällt, ist noch kein Führungsergebnis; ein Umsatzsprung nach einem Zukauf ist die Leistung derer, die den Zukauf entschieden haben. Wer solche Zahlen ohne Abgrenzung nennt, riskiert die unangenehmste Rückfrage des Gesprächs.

Zahlendisziplin

Drei Regeln, die sich in dieser Reihenfolge durchsetzen.

Erstens: relativ statt absolut. Prozentangaben und Veränderungen sagen mehr aus und verraten weniger als Beträge. Zweitens: keine Zahl, die Sie im Gespräch nicht in drei Sätzen erklären können – einschließlich der Frage, was Ihr eigener Anteil daran war und was ohne Sie ohnehin passiert wäre. Drittens: nichts, was einer Verschwiegenheitspflicht unterliegt. Margen, Preisgestaltung, Kundennamen, Angebotsstände, Gehälter einzelner Personen, laufende Verhandlungen. Wer die Zahlen des alten Hauses in eine Bewerbung schreibt, beantwortet damit ungefragt, wie er mit den Zahlen des neuen umgehen wird.

Wenn keine belastbaren Kennzahlen vorliegen, beschreiben Sie die Schnittstelle statt des Ergebnisses: wer entschieden hat, wer gerechnet hat, wofür Sie allein zuständig waren. Das ist ehrlicher als eine hergeleitete Zahl und reicht aus. Wer aus einer Fachfunktion oder einer anderen Branche kommt, findet in Quereinstieg in eine Leitung die Übersetzungsarbeit für diesen Teil.

Lücken und Wechsel

Eine Lücke ist eine Zeit ohne Eintrag, nicht eine Zeit ohne Beschäftigung. Tragen Sie ein, was war: Elternzeit, Pflege von Angehörigen, Weiterbildung, gesundheitsbedingte Unterbrechung, Suche nach einer neuen Aufgabe, Selbständigkeit, Auslandsaufenthalt. Ein Halbsatz genügt.

Zwei Punkte kommen in Führungslaufbahnen häufiger vor und sollten nicht verschwiegen werden. Kurze Stationen von unter einem Jahr – nach einem Eigentümerwechsel, nach dem Wegfall der zugesagten Berichtslinie, nach einer Zusage, die nicht eingehalten wurde. Ein sachlicher Halbsatz trägt das. Und der Rückschritt: eine Position mit kleinerer Spanne als die vorige. Wer den Grund nennt, nimmt dem Thema die Spitze; wer ihn verschweigt, lässt die andere Seite raten.

Verschweigen ist die schlechteste Lösung. Eine falsche Angabe im Lebenslauf kann zur Anfechtung des Vertrags oder zur Kündigung führen, eine erklärte Lücke nicht. Wie Formulierungen Ihres alten Arbeitgebers dabei wirken, steht in Das Zeugnis der Führungskraft – Zeugnissprache liest sich im Lebenslauf falsch und sollte nicht übernommen werden.

Lebenslauf und Anschreiben gehören zusammen

Der Lebenslauf zeigt die Größenordnungen, das Anschreiben stellt die Verbindung zur ausgeschriebenen Lage her. Jede Behauptung im Anschreiben muss im Lebenslauf wiederzufinden sein, und zwar mit derselben Zahl. Was in den einen Text gehört und was in den anderen, steht in Das Anschreiben auf eine Führungsposition.

Wenn Sie sich aus einer bestehenden Anstellung bewerben, prüfen Sie vorher, was in den Unterlagen steht, das Ihr Haus identifizierbar macht, ohne genannt zu werden. Dazu Bewerben aus ungekündigter Stellung.

Was ein Personalberater zusätzlich braucht

Führt der Weg über eine Personalberatung, kommen vier Angaben hinzu, die nicht in den Lebenslauf gehören, sondern in die erste Nachricht: ein Kurzprofil von einer halben Seite, eine Gehaltsvorstellung als Jahreszielgehalt, der frühestmögliche Eintrittstermin nach Ihrer Kündigungsfrist, und der Radius, in dem Sie arbeiten oder umziehen würden. Wer diese vier Angaben bereit hat, spart zwei Telefonate. Wie dieser Weg funktioniert und was dabei gilt, steht in Personalberater als Weg.

Vor dem Absenden

Lesen Sie den Lebenslauf als jemand, der Sie nicht kennt und vierzig Sekunden Zeit hat. Wenn danach nicht klar ist, wie viele Menschen Sie geführt haben, über welche Mittel Sie entschieden haben und was sich unter Ihnen verändert hat, ist er noch nicht fertig.

Und prüfen Sie, ob jede ausdrücklich verlangte Angabe vorhanden ist: Eintrittstermin, Gehaltsvorstellung, Reisebereitschaft, Standortbindung. Das ist der Teil der Vorauswahl, der vollständig in Ihrer Hand liegt. Welche Positionen gerade zu Ihrem Zuschnitt passen, zeigt die Liste der offenen Stellen; wer auf eine bestimmte Ebene zielt, filtert direkt nach Stellen als Bereichsleiter.

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